Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Was eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Monat kostet
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kostet je nach Beruf, Alter, Rentenhöhe und Endalter zwischen rund 30 und deutlich über 250 Euro im Monat — eine einzelne Zahl gibt es nicht. Ausschlaggebend sind vier Faktoren: der Beruf beziehungsweise die Gefahrengruppe, in die der Versicherer ihn einordnet, das Alter bei Vertragsabschluss, die Höhe der versicherten Rente und das vereinbarte Endalter. Bei einer BU-Rente von 1.500 Euro monatlich, Eintrittsalter 30 Jahre und Endalter 67 liegen die Beiträge für einen klassischen Bürojob bei rund 55 bis 85 Euro im Monat, für einen körperlich tätigen Beruf wie Dachdecker bei 210 bis 300 Euro. Eine amtliche Preisstatistik gibt es nicht — die Zahlen in diesem Artikel stammen aus Vergleichsrechnungen und zeigen die Größenordnung, nicht den exakten Preis für Ihren Fall.
Vier Faktoren bestimmen den Beitrag
Der Beruf: Warum die Gefahrengruppe über den Preis entscheidet
Versicherer teilen Berufe in sogenannte Gefahrengruppen ein — je nach Anbieter drei bis sechs Stufen, häufig als Gruppen A bis E bezeichnet. Maßgeblich sind Ausbildungsniveau, der Anteil körperlicher Arbeit und die statistische Unfallgefahr. In der günstigsten Gruppe finden sich klassischerweise Ärzte, Rechtsanwälte und Ingenieure, in den teureren Gruppen Berufe mit hohem körperlichem Anteil wie Bäcker, Maurer, Pflegekräfte oder Köche. Eine einheitliche, amtliche Klassifikation gibt es nicht — jeder Versicherer stuft eigenständig ein, weshalb sich derselbe Beruf bei zwei Anbietern durchaus in unterschiedlichen Gruppen wiederfinden kann (Verbraucherzentrale, Stand 02.01.2025).
Das Eintrittsalter: Je früher, desto günstiger
Der Beitrag wird beim Abschluss für die gesamte Vertragslaufzeit kalkuliert und bleibt danach grundsätzlich stabil. Wer mit 40 statt mit 30 Jahren abschließt, zahlt für dieselbe Rente und denselben Beruf häufig das Anderthalb- bis Doppelte. Nach Vergleichsdaten liegt der Beitrag für einen Büroberuf mit 1.500 Euro Rente bis 67 zwischen 20 und 25 Jahren bei rund 30 bis 50 Euro, zwischen 30 und 35 Jahren bei 50 bis 90 Euro und zwischen 40 und 45 Jahren bereits bei 100 bis 180 Euro monatlich (checkfox.de, Stand 24.04.2026). Der Grund: Mit steigendem Alter sinkt die Restlaufzeit bis zur Rente nicht im gleichen Maß, wie das Berufsunfähigkeitsrisiko steigt — der Versicherer kalkuliert ein höheres Risiko auf eine kürzere Zeit.
Die Rentenhöhe: Wonach sich der Bedarf richtet
Der Beitrag steigt näherungsweise linear mit der versicherten Rente. Als Richtwert nennt die Verbraucherzentrale rund 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens, andere Quellen 70 bis 80 Prozent. Diese Spanne ist zugleich ungefähr die Obergrenze, die Versicherer im Rahmen der Risikoprüfung überhaupt zusagen — mehr als das zuletzt nachgewiesene Nettoeinkommen wird in der Regel nicht versichert. Zur Einordnung: Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert die durchschnittlich versicherte Rente bei Neuabschlüssen 2024 auf rund 1.217 Euro monatlich (14.600 Euro Jahresrente), abgeschlossen im Schnitt mit knapp 29 Jahren.
Das Endalter: 67 ist der Standard — nicht ohne Grund
Ein kürzeres Endalter senkt den Beitrag, weil sich die Versicherungsdauer verkürzt: Eine Verkürzung von 67 auf 65 Jahre reduziert den Beitrag nach Vergleichsdaten um etwa 10 bis 20 Prozent (checkfox.de, Stand 24.04.2026). Das klingt nach einer naheliegenden Sparmöglichkeit, öffnet aber eine Lücke genau in der Lebensphase mit dem höchsten Risiko: Nach GDV-Zahlen liegt das Durchschnittsalter beim tatsächlichen Leistungsfall bei 48 Jahren — ein Endalter von 65 würde also nur bis kurz vor die statistisch riskantesten Jahre schützen, nicht durch sie hindurch. Verbraucherschützer empfehlen deshalb, das Endalter am gesetzlichen Renteneintrittsalter auszurichten, auch wenn der Beitrag dadurch höher ausfällt.
Rechenbeispiel: Bürojob gegen körperlich tätigen Beruf
Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigt ein Vergleich für eine BU-Rente von 1.500 Euro monatlich, Eintrittsalter 30 Jahre, Endalter 67 — auf Basis eines Vergleichsportals (checkfox.de, Stand 24.04.2026):
- Bürokaufmann/-frau: rund 55 bis 85 Euro monatlich
- Ingenieur/in: rund 55 bis 75 Euro monatlich
- Pflegekraft: rund 110 bis 160 Euro monatlich
- Handwerker/in (z. B. Maler, Elektriker): rund 170 bis 280 Euro monatlich
- Dachdecker/in: rund 210 bis 300 Euro monatlich
Ein zweiter, unabhängiger Vergleich von Verivox (Stand 21.04.2026, auf 1.500 Euro Rente umgerechnet) bestätigt die Größenordnung, wenn auch mit engerer Spanne: Bürokaufleute zahlten dort im Schnitt rund 64 Euro, Krankenpflegekräfte rund 123 Euro und selbstständige Handwerker rund 155 Euro monatlich. Beide Werte sind Beispielrechnungen der jeweiligen Portale und keine Marktdurchschnitte — die tatsächliche Einstufung und der Beitrag hängen vom einzelnen Versicherer, der genauen Berufsbezeichnung und der individuellen Risikoprüfung ab. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Fall liegt der Unterschied bei checkfox beim gut Fünffachen (55 zu 300 Euro), bei Verivox beim rund Zweieinhalbfachen (64 zu 155 Euro).
Weitere Faktoren, die den Beitrag beeinflussen
Neben den vier Hauptfaktoren wirken sich weitere Punkte auf den Beitrag aus:
- Gesundheitszustand: Die Risikoprüfung vor Vertragsschluss kann den Beitrag im Einzelfall am stärksten verändern, da bereits eine Vorerkrankung über Zuschlag, Ausschluss oder Ablehnung entscheidet. Nach GDV-Zahlen wird der überwiegende Teil der Anträge ohne Einschränkung angenommen, ein kleinerer Teil erhält einen Beitragszuschlag oder einen Leistungsausschluss für bestimmte Erkrankungen, abgelehnt wird nur eine Minderheit. Wer Vorerkrankungen hat, findet mehr dazu in unserem Ratgeber BU mit Vorerkrankung.
- Raucherstatus: Nichtraucher zahlen laut Vergleichsportalen teils bis zu 20 Prozent weniger als Raucher.
- Nachversicherungsgarantie: Das Recht, die Rente bei Ereignissen wie Heirat, Geburt oder Gehaltssprung ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen (Nachversicherungsgarantie), kostet beim Abschluss grob 1 bis 10 Prozent Mehrbeitrag, je nach Versicherer und Ausgestaltung. Welche Ereignisse im Einzelnen greifen, erklärt unser Ratgeber zum Thema.
- Zahlweise: Jährliche statt monatliche Zahlung spart bei den meisten Anbietern rund 3 bis 5 Prozent.
- Geschlecht: Seit Ende 2012 gelten verpflichtend Unisex-Tarife — Frauen und Männer zahlen für dieselbe Leistung denselben Beitrag.
Fazit: Der Preis unterscheidet sich stark — die Leistung sollte trotzdem den Ausschlag geben
Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung 60 oder 250 Euro im Monat kostet, hängt in erster Linie vom Beruf, dem Eintrittsalter, der Rentenhöhe und dem Endalter ab — und lässt sich erst mit einem konkreten Angebot verlässlich beziffern. Die stärksten Stellschrauben für einen niedrigeren Beitrag sind ein früher Abschluss und eine am tatsächlichen Bedarf orientierte Rentenhöhe. Beim Endalter oder bei Zusatzbausteinen zu kürzen, senkt den Beitrag zwar ebenfalls, schwächt aber den Schutz genau in der Lebensphase mit dem höchsten Berufsunfähigkeitsrisiko. Der Beitragsunterschied zwischen Anbietern ist bei gleicher Leistung oft geringer als der Unterschied in den Vertragsbedingungen — welche Kriterien dabei über den Beitrag hinaus zählen, erklärt unser Artikel Berufsunfähigkeitsversicherung: Warum der Beitrag das unwichtigste Kriterium ist.
Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Beratung. Konditionen variieren je nach Gesundheitszustand, Anbieter und Lebenssituation.
Häufige Fragen
Eine amtliche Durchschnittsstatistik gibt es nicht. Für eine BU-Rente von 1.500 Euro, Eintrittsalter 30 Jahre und Endalter 67 liegen Vergleichsrechnungen für Büroberufe bei rund 55 bis 85 Euro monatlich, für körperlich tätige Berufe wie Handwerker oder Dachdecker bei 170 bis 300 Euro.
Versicherer ordnen Berufe Gefahrengruppen zu, die sich nach Ausbildung, Anteil körperlicher Arbeit und statistischer Unfallgefahr richten. Berufe mit hohem körperlichem Anteil wie Dachdecker oder Maurer gelten als risikoreicher und zahlen deshalb je nach Vergleichsrechnung zwischen dem Zweieinhalb- und dem gut Fünffachen im Vergleich zu Büroberufen.
Nein. Der Beitrag wird beim Abschluss für die gesamte Laufzeit kalkuliert und bleibt danach stabil, solange keine Rentenerhöhung über eine Nachversicherungsgarantie oder Dynamik vereinbart wird.
Ja, aus reiner Kostensicht: Mit 40 statt mit 30 Jahren abgeschlossen, kostet dieselbe Absicherung häufig das Anderthalb- bis Doppelte, weil der Versicherer ein höheres Risiko auf eine kürzere Restlaufzeit kalkuliert.
Als Richtwert gelten 70 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens. Diese Spanne ist zugleich ungefähr die Obergrenze, die Versicherer im Rahmen der Risikoprüfung zusagen.
Ein früher Abschluss und eine jährliche statt monatliche Zahlweise senken den Beitrag, ohne die Leistung zu verändern. Von einem kürzeren Endalter oder einer niedrigeren Rente als dem tatsächlichen Bedarf raten Verbraucherschützer dagegen ab.
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