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Altersvorsorge

Private Rentenversicherung: Was sie wirklich kostet

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Konrad Schalt
4 Min. Lesezeit
Zwei Personen unterschiedlichen Alters gehen auf verschiedenen Ebenen durch ein weitläufiges Berliner Treppenhaus.“

Was kostet eine private Rentenversicherung – kurz beantwortet

Eine pauschale Zahl für den Beitrag einer privaten Rentenversicherung gibt es nicht. Wie viel Sie zahlen, hängt von vier Stellschrauben ab: Ihrem Eintrittsalter, dem gewählten Garantieniveau, der Beitragsdauer bis zum Rentenbeginn und einer möglichen Rentengarantiezeit. Wer früh einsteigt, ein niedrigeres Garantieniveau akzeptiert und lange einzahlt, kommt für dieselbe Zielrente mit einem deutlich niedrigeren Monatsbeitrag aus als jemand, der später startet. Wie stark der Unterschied ausfällt, zeigt das Rechenbeispiel weiter unten.

Was ist eine private Rentenversicherung überhaupt?

Bei einer privaten Rentenversicherung zahlen Sie über die vereinbarte Laufzeit Beiträge ein, aus denen der Versicherer bis zum Rentenbeginn ein Kapital aufbaut. Ab dem vereinbarten Zeitpunkt zahlt er Ihnen daraus eine lebenslange monatliche Rente – bei vielen Tarifen können Sie sich das Kapital wahlweise auch ganz oder teilweise auszahlen lassen.

Anders als bei der Rürup-Rente sind die Beiträge steuerlich nicht gefördert. Dafür sind Sie bei Auswahl, Laufzeit und Auszahlungsform deutlich flexibler und nicht an die strengen Vorgaben der Basisrente gebunden. Die Unterschiede im Detail lesen Sie im Ratgeber Rürup-Rente: Für wen sich die Steuerersparnis wirklich lohnt.

Es gibt zwei Grundformen. Bei der klassischen Variante garantiert der Versicherer einen festen Zins auf Ihr Kapital – begrenzt durch den sogenannten Höchstrechnungszins, der seit dem 1. Januar 2025 bei 1,0 Prozent pro Jahr liegt (zuvor 0,25 Prozent). Bei der fondsgebundenen Variante fließt Ihr Beitrag ganz oder teilweise in Investmentfonds: höhere Renditechancen stehen dann einem geringeren oder ganz fehlenden Garantieniveau gegenüber. Einen ausführlichen Vergleich dieser Bauform mit einem reinen ETF-Sparplan finden Sie im Ratgeber ETF-Rentenversicherung vs. ETF-Sparplan: Der Steuer-Vergleich.

Wovon hängt der Preis ab? Vier Stellschrauben

Wie wirkt sich das Eintrittsalter aus?

Je früher Sie abschließen, desto mehr Jahre wirkt der Zinseszinseffekt auf Ihr eingezahltes Kapital. Für dieselbe Zielrente reicht deshalb bei einem frühen Einstieg ein niedrigerer Monatsbeitrag als bei einem späten. Umgekehrt gilt: Wer erst mit 45 oder 50 beginnt, muss entweder deutlich mehr einzahlen oder sich mit einer niedrigeren Rente abfinden.

Wie das Garantieniveau den Beitrag beeinflusst

Wählen Sie eine hohe Beitragsgarantie, muss der Versicherer Ihr Geld konservativer anlegen – das kostet Rendite. Um beim Rentenbeginn auf dieselbe Zielrente zu kommen, brauchen Sie bei einem Tarif mit hoher Garantie tendenziell einen höheren Beitrag als bei einem Tarif mit niedrigerer Garantie und höherer Aktienquote. Sicherheit und Rendite stehen hier in einem direkten Zielkonflikt.

Wie die Beitragsdauer den Monatsbeitrag verändert

Gemeint ist der Zeitraum, in dem Sie tatsächlich Beiträge zahlen. Je länger dieser Zeitraum, desto mehr Raten teilen sich das nötige Zielkapital – der einzelne Monatsbeitrag sinkt. Eine kürzere Beitragsdauer bei gleichem Rentenbeginn bedeutet umgekehrt einen höheren Monatsbeitrag, weil weniger Zeit für Einzahlung und Verzinsung bleibt.

Was die Rentengarantiezeit kostet

Die Rentengarantiezeit ist ein optionaler Baustein: Verstirbt die versicherte Person während der Rentenphase innerhalb der vereinbarten Garantiezeit, zahlt der Versicherer die vereinbarte Rente bis zum Ende dieser Zeit trotzdem an die Hinterbliebenen weiter. Anders als die drei vorherigen Faktoren wirkt sich die Rentengarantiezeit nicht auf den Sparbeitrag aus, sondern auf die Höhe der späteren Rente: Bei gleichem angesparten Kapital fällt die monatliche Rente mit einer längeren Garantiezeit niedriger aus, weil der Versicherer das zusätzliche Risiko einpreist. Eine belastbare Größenordnung für diesen Effekt lässt sich nicht pauschal beziffern, da sie stark vom Tarif und der übrigen Vertragsgestaltung abhängt.

Rechenbeispiel: Eintrittsalter 30 im Vergleich zu 45

Um den Effekt des Eintrittsalters konkret zu zeigen, rechnen wir ein vereinfachtes Modell durch. Angenommen werden: ein Monatsbeitrag von 200 Euro (2.400 Euro im Jahr, eingezahlt zum Jahresende), Rentenbeginn mit 67 Jahren und eine Verzinsung von 1,0 Prozent pro Jahr – dem aktuellen Höchstrechnungszins. Kosten und eine mögliche, nicht garantierte Überschussbeteiligung bleiben bewusst außen vor, damit allein der Zinseszins- und Laufzeiteffekt sichtbar wird. In der Praxis mindern Abschluss- und Verwaltungskosten das Ergebnis zusätzlich, während Überschüsse es erhöhen können.

  • Eintrittsalter 30, Laufzeit 37 Jahre: bei 2.400 Euro Jahresbeitrag ergibt sich ein garantiertes Kapital von rund 106.900 Euro.
  • Eintrittsalter 45, Laufzeit 22 Jahre: derselbe Jahresbeitrag von 2.400 Euro führt nur zu rund 58.700 Euro.

Um mit Eintrittsalter 45 auf dasselbe Zielkapital von rund 106.900 Euro zu kommen, müsste der Jahresbeitrag auf etwa 4.365 Euro steigen – umgerechnet rund 364 Euro im Monat, fast das Doppelte des Beitrags mit Eintrittsalter 30.

Für die Umrechnung von Kapital in eine monatliche Rente nutzen Versicherer den sogenannten Rentenfaktor: Er gibt an, wie viel Euro Monatsrente pro 10.000 Euro Kapital gezahlt wird. Garantierte Rentenfaktoren lagen bei einer Markterhebung 2022 zwischen rund 18 und 26 Euro je 10.000 Euro – mit fallender Tendenz; eine aktuellere flächendeckende Erhebung liegt uns nicht vor. Setzt man vorsichtig einen Rentenfaktor von 20 an, ergibt sich aus dem Beispielkapital von 106.900 Euro eine garantierte monatliche Rente von rund 214 Euro. Die tatsächliche Rente hängt vom gewählten Tarif ab und kann durch Überschüsse höher ausfallen, ist in dieser Höhe aber nicht vertraglich zugesichert.

Unsicher, welche Variante zu Ihnen passt?
Eintrittsalter, Garantieniveau, Beitragsdauer – welche Kombination für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Wir ordnen das für Sie ein.

Was ist im Beitrag enthalten – und was nicht?

Ein Teil jedes Beitrags fließt nicht in Ihr Vorsorgekapital, sondern in die Kosten des Vertrags. Drei Positionen sind dabei relevant:

Die Abschluss- und Vertriebskosten sind gesetzlich gedeckelt: Sie dürfen höchstens 2,5 Prozent der gesamten Beitragssumme über die Vertragslaufzeit betragen (§ 4 Deckungsrückstellungsverordnung) und müssen mindestens auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilt werden (§ 169 Abs. 3 VVG). In der Praxis kalkulieren die meisten Anbieter nah an dieser Obergrenze. Für Sie bedeutet das: In den ersten Vertragsjahren baut sich kaum ein Rückkaufswert auf, da ein großer Teil der frühen Beiträge diese Kosten deckt.

Die laufenden Verwaltungskosten werden je nach Anbieter als Prozentsatz vom Beitrag, vom angesparten Guthaben oder als fester Eurobetrag pro Jahr berechnet. Eine seriöse marktweite Bandbreite lässt sich dafür nicht angeben – die genaue Höhe steht in Euro im Produktinformationsblatt Ihres Tarifs und sollte vor Abschluss verglichen werden.

Bei fondsgebundenen Tarifen kommt eine dritte Position hinzu: die Kosten der Fonds selbst, in denen Ihr Kapital angelegt wird. Sie werden meist als jährliche Verwaltungsvergütung des Fonds ausgewiesen und fallen zusätzlich zu den Abschluss- und Verwaltungskosten des Versicherungsvertrags an. Bei klassischen Tarifen ohne Fondsanlage entfällt diese Position.

Ein aussagekräftigeres Gesamtmaß, das alle drei Positionen zusammenfasst, sind die Effektivkosten, die Sie ebenfalls im Produktinformationsblatt finden. Eine Auswertung der BaFin (Datenstand erstes Halbjahr 2021) zeigt für fondsgebundene Rentenversicherungen einen gewichteten Mittelwert von 1,90 Prozent pro Jahr, bei einer Bandbreite von 1,30 bis 2,35 Prozent zwischen dem 25. und 75. Perzentil – einzelne meistverkaufte Tarife lagen sogar über 4 Prozent. Bei klassischen Tarifen liegen die Effektivkosten laut BaFin „signifikant" darunter, eine eigene Vergleichszahl nennt die Aufsicht dafür nicht. Auch der aktuelle Vergleichstest der Stiftung Warentest (Finanztest 06/2025) bestätigt das Bild: Keiner der geprüften Tarife erhielt die Bestnote, Hauptkritikpunkt waren zu hohe Kosten.

Wie stark die Effektivkosten zwischen einzelnen Tarifen tatsächlich schwanken, zeigen unsere Tarifanalysen, etwa zur Continentale Rente Invest oder zur Nürnberger PrivatRente NFX3200.

Wann lohnt sich eine private Rentenversicherung?

Ob sich eine private Rentenversicherung für Sie lohnt, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Einige Kriterien, die für einen Abschluss sprechen können:

  • Sie möchten eine lebenslange Rente, die auch bei hohem Alter nicht endet, statt reinen Kapitalaufbau ohne Langlebigkeitsabsicherung.
  • Riester, Rürup oder betriebliche Altersvorsorge sind für Sie ausgeschöpft oder nicht zugänglich.
  • Bei der klassischen Variante ist Ihnen die Sicherheit eines Kapitalerhalts wichtiger als die Renditechance.

Kriterien, die eher dagegen sprechen können:

  • Ein kurzer oder unklarer Anlagehorizont, da die Abschluss- und Vertriebskosten in den ersten Vertragsjahren den Rückkaufswert stark mindern.
  • Ein reiner Renditefokus ohne Bedarf an einer garantierten Rentenzahlung – hier kann ein ETF-Sparplan die kostengünstigere Alternative sein.
  • Ein hoher Bedarf an Flexibilität bei Beitragspausen, Kündigung oder Kapitalzugriff.

Fazit

Der Preis einer privaten Rentenversicherung ist kein fester Wert, sondern das Ergebnis von Eintrittsalter, Garantieniveau, Beitragsdauer und Rentengarantiezeit. Unser Rechenbeispiel zeigt, wie groß der Unterschied allein durch das Eintrittsalter ausfallen kann: Fast doppelter Beitrag für dieselbe Zielrente, wenn der Abschluss 15 Jahre später erfolgt. Vor einem Abschluss lohnt sich deshalb weniger der Blick auf den Monatsbeitrag allein als auf die im Produktinformationsblatt ausgewiesenen Effektivkosten und den garantierten Rentenfaktor – beide Werte machen Tarife über Anbieter hinweg vergleichbar.

Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Beratung. Konditionen variieren je nach Eintrittsalter, Anbieter und individueller Lebenssituation.

FAQ

Häufige Fragen

Einen pauschalen Betrag gibt es nicht. Der Beitrag hängt von der gewünschten Zielrente, dem Eintrittsalter, dem Garantieniveau und der Beitragsdauer ab. Unser Rechenbeispiel zeigt für dasselbe Zielkapital einen Unterschied von 200 Euro monatlich bei Eintrittsalter 30 gegenüber rund 364 Euro bei Eintrittsalter 45.

Vor allem Abschluss- und Vertriebskosten (gesetzlich auf 2,5 Prozent der Beitragssumme gedeckelt, verteilt auf die ersten fünf Jahre), laufende Verwaltungskosten und bei fondsgebundenen Tarifen zusätzlich Fondskosten. Die Effektivkosten insgesamt stehen im Produktinformationsblatt.

Der Rentenfaktor gibt an, wie viel Monatsrente pro 10.000 Euro angespartem Kapital gezahlt wird. Garantierte Werte lagen 2022 zwischen rund 18 und 26 Euro – je höher, desto mehr Rente erhalten Sie aus demselben Kapital. Entscheidend ist der garantierte, nicht der aktuell in Aussicht gestellte Wert.

Deutlich: Je früher Sie einsteigen, desto länger wirkt der Zinseszinseffekt, und desto niedriger kann der Monatsbeitrag für dieselbe Zielrente ausfallen. Ein späterer Einstieg muss durch einen höheren Beitrag oder eine niedrigere Zielrente ausgeglichen werden.

Die Rürup-Rente ist steuerlich gefördert, dafür aber gesetzlich stark reglementiert – etwa keine Kapitalauszahlung und keine freie Vererbbarkeit. Die private Rentenversicherung ist ungefördert, dafür flexibler in Auszahlung, Laufzeit und Vertragsgestaltung.

Nein. Sie wirkt sich nicht auf die Sparphase aus, sondern auf die Rentenphase: Bei gleichem angesparten Kapital kann eine längere Rentengarantiezeit die monatliche Rente senken, weil der Versicherer das zusätzliche Risiko im Todesfall einpreist.

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